CHRISTA AMMER IM INTERVIEW

In diesem Club arbeiten viele daran, dass die Spieler hier einen perfekten Golftag haben. Welche Rolle spielen Sie als „Fairway“-Wirtin dabei?

Ich glaube schon, dass unsere Gastronomie eine große Stärke dieses Clubs ist. Mein Team und ich machen das Golfen hier noch schöner. Die Leute sollen sich hier richtig wohlfühlen. Das ist mein Ziel.

 

Ihr Kaiserschmarren genießt in Südostbayern einen legendären Ruf. Wie haben Sie das geschafft?

Mit meinem Kaiserschmarren (lacht).

 

Für den muss es ja irgendeinen Trick geben. Sonst würde der ja nicht besser als anderswo schmecken …

Natürlich habe ich dafür mein eigenes Rezept. Aber das verrate ich Ihnen jetzt nicht. Schmecken tut es den Leuten offensichtlich. Das wird gerne bestellt. Ich hatte schon Gäste draußen auf der Terrasse sitzen, die mir erzählt haben, dass sie 30 Kilometer geradelt seien, nur um meinen Kaiserschmarren zu essen.

 

Es gibt ein zweites Gerücht. Angeblich kocht im „Fairway“ der Chef noch selbst …

Ja, das stimmt. Ich koche hier selbst. Und den Leuten scheint es zu schmecken.

 

Gibt es noch die alten Geschlechterrollen? Bestellen Golfer Bier und die Golferinnen Süßes?

Überhaupt nicht. Was ich sagen kann: Meine Gäste schauen nicht so auf die Kalorien, sie genießen.
Die wollen gerne auch was Deftiges essen. Nach vier oder fünf Stunden auf dem Golfplatz an der frischen Luft hat man ja auch richtig Hunger.

 

Was haben Sie denn für hungrige Golfer im Angebot? Außer Kaiserschmarren natürlich …

Wenn es etwas wärmer ist, darf es eine kalte Brotzeit sein. Bratensülze oder ein richtig schön saurer Wurstsalat.

 

Aber da gehört dann das Weißbier dazu?

Ja, ganz genau (lacht).

 

Haben Sie selbst ein Lieblingsgericht im „Fairway“?

Ich komme fast nie zum Essen. Vorhin habe ich festgestellt, dass ich noch gar nichts gegessen habe. Ich merke das gar nicht. Man probiert da ein wenig und schmeckt das ab. Heute habe ich beispielsweise frische Rindsrouladen gemacht. Da probiert man die Sauce, dann die Füllung, Aber sich selbst an den Tisch setzen und einen Teller essen – dazu komme ich einfach nicht. An entspannten Tagen schaffe ich zumindest ein Frühstück.

 

Haben Sie nach Turnieren oder schönen Golftagen hier im „Fairway“ auch Gäste sitzen, die einfach nicht nach Hause wollen?

Natürlich – und Gott sei Dank ist das so. Gerade die Geselligkeit soll bei uns nicht zu kurz kommen. Genau das macht doch das Clubleben aus. Nach einem Golftag oder Turnier spürt man ganz extrem, wie wichtig dieser Austausch untereinander für die Golfer ist. Mich fasziniert das immer. Die haben eine Platzrunde hinter sich und haben noch jeden Schlag im Kopf. Die sitzen dann hier und erzählen sich, wie viele Schläge sie an jedem Loch gebraucht haben. Und wo sie den Ball im Bunker oder Teich versenkt haben.

 

Spielen Sie selbst auch?

Nein. Ich habe einige Stunden beim Oliver genommen. Mir macht es schon Spaß. Ich gehe zwischendurch auch mal auf den Platz und mache ein paar Schläge. Das ist ideal, um runterzufahren, den Kopf freizubekommen. Das ist dann fast wie Urlaub. Aber komplette Platzrunden oder Turniere, nein, so viel Zeit habe ich einfach nicht.

 

Wie viele Ihrer Gäste sind Nicht-Golfer?

Die sind noch in der Minderheit. Aber Jahr für Jahr werden das mehr. Aus Kraiburg kommen regelmäßig die Fußballer. Zu meinen Stammgästen gehören eine kleine Wandergruppe aus dem Nachbarort und drei Radelteams aus der Region.

 

Haben Sie eine Standardkarte – oder lassen Sie sich für Ihre Gäste auch immer wieder mal was Neues einfallen?

Wir machen beides. Wir haben eine feste Speisekarte mit Gerichten, von denen ich weiß, dass sie gerne gegessen werden – und die ergänze ich mit Wochenkarten. Derzeit habe ich eine spezielle Spargelkarte. Die läuft noch ein paar Tage. Wenn die Spargelsaison vorbei ist, dann gibt es wieder eine wechselnde Wochenkarte.

 

Was stehen da für Gerichte drauf?

Heute habe ich zum Beispiel nebenbei noch Fleischpflanzerl gemacht. Die gibt es nachher mit Kartoffelsalat. Das wird wahnsinnig gerne gegessen. Oder ich mach mal ein Geschnetzeltes. Manchmal greife ich auch einen Gästewunsch auf.

 

Sie sind seit fünf Jahren Pächterin. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz zum Jubiläum aus?

Es ist schön. Mittlerweile fühlt es sich im „Fairway“ an, als ob ich daheim wäre. Ich kenne die Gäste und werde akzeptiert – das geht weit über die reine Bewirtung hinaus. Die Stammgäste umarmen mich, wenn sie hier reinkommen, wir reden ein wenig, machen auch mal Blödsinn und Gaudi. Noch mal: Es ist einfach schön.

 

Geht es hier familiärer zu als in anderen Clubrestaurants?

Ja, absolut. Davon bin ich überzeugt.

 

Was hat Sie zum Kochen gebracht?

Lust, Freude und Spaß.

 

Wo gehen Sie essen, wenn Sie mal Urlaub haben?

Im Sommer arbeite ich durch. Da gibt es keinen Urlaub. Wenn, dann im Winter.

 

Okay, also was machen Sie im Winter?

In diesem Winter bin ich zum ersten Mal mit einem Heißluftballon geflogen. Das war ein Traum von mir. Hat mir Riesenspaß gemacht. Gut, wenn wir mal mit der Familie essen gehen, dann gehen wir zum Italiener. Deutsche Küche machen wir ja hier selbst.

Das Interview führte Martin Armbruster